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Abschiedsfeier

für zwei Weltwärtsfreiwillige. Bereits während der Reden und Darbietungen – Sketche, Tänze, Lieder – freuen sich alle aufs Buffet. Die Vorbereitung dazu klappt problemlos. Nach dem Gottesdienst kommt eine kurze Ansage: „Alle gehen jetzt nach Hause, kochen dort bitte eine Kleinigkeit und kommen dann damit in die Aula.“ Teller, Becher und Besteck bringt man sich bei solchen Veranstaltungen grundsätzlich selber mit. Was gibt’s zu essen? Süßkartoffeln, Kochbananen, Taro, Yams, Reis, Gemüse. Alles lecker zubereitet, z.B. in Kokosnuss-Suppe gekocht oder mit den beliebten Maggi 2-Minute Noodles gemischt.
Links haben sich die Frauen und Kinder angestellt, rechts die Männer.

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upside down

Die Studenten haben einen Sitzplan vorne auf mein Pult geklebt. Ich hab mir mal schnell einen Plan skizziert, wie sich die Sitzordnung aus meiner Sicht tatsächlich darstellt…
Ganz ähnlich: Der Zeitbegriff. Die Zukunft (bihain) liegt in der Vorstellung hinter uns. Auf meine Frage, „Wo liegt für dich die Zukunft?“, wies einer der Studenten mit dem Daumen über die Schulter hinter sich. Man sieht die Zukunft schließlich nicht. Sie kommt von hinten angerauscht und liegt dann vor einem als Vergangenheit (bipo). Auf Neuguineas Straßen läufst du und bewegst du dich bedächtig und langsam. Kein Wunder, wenn du rückwärts in die Zukunft gehst😎 Ein aufmunternder Satz wie: „Let“s face the future!“, könnte als Aufforderung zur Hellseherei missvertanden werden. Andererseits: Alle Neuguineaner beherrschen mehr als eine Sprache und sind entsprechend auch in unterschiedlichen Vorstellungsräumen und Gedankenwelten zuhause.

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Pünktlich am Montag

beginnt das neue Semester am Senior Flierl Seminary. Meine Fächer: Homiletik, Paulusbriefe, Kirchengeschichte bis Ende Römisches Reich. Zur Verfügung stehen ca. 700 Vokabeln Tok Pisin. Da lässt sich so mancher Schlenker ins Englische nicht vermeiden. Die Studenten des 9. Semesters kenne ich schon. 2011 waren sie im dritten.

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Da müssen wir mit,

um von Lae nach Finschhafen zu kommen. Bis vor kurzem bediente Luship (Lutheran Shipping) die Küstenorte. Im Hintergrund seht Ihr das Schiff. Die Kirche wickelt ihre Firma gerade ab und stellt nach 80 Jahren den Service ein. Jetzt gibt’s nur noch Speedboats.

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Unser Skipper wird während der dreistündigen Fahrt einen halben Karton Bier trinken (6 Dosen) und dann auf ein Fusel-Kola-Gemisch umsteigen. Dass er zu Beginn der Fahrt nicht wie üblich ein Gebet spricht, lässt schon nichts Gutes erwarten. Zum Glück regnet es leicht, denn dann ist das Meer schön glatt.

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God Bless –

könnt Ihr’s erkennen?
Pasto(ohne „r“ gschrieben) George sendet die Studenten des 3. Jahrgangs ins 10-Wöchige Gemeindepraktikum. Küstenleute gehen ins Hochland, Städter in den Busch und umgekehrt. Alle sind aufgeregt und ein wenig ängstlich, fern der wantok* und beschützenden Schule zu sein. Tasol olgeta i redi. Alle sind bereit. God Bless.

*= die eigene Mischpoche; von „one talk“. Wittgenstein: Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt…

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OK, mal ein Bild von mir,

gerade eben aufgenommen bei der Semester-Schlussandacht.
Die Hemdärmel haben irgendwann Kontakt mit einer Kulau gehabt und sich braun verfärbt. Das fällt hier niemandem auf.

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Tok Pisin

ist eine wunderbar alltagstaugliche Sprache, sei es für Klatsch und Tratsch, bei der Arbeit rund um Haus und Garten, beim Spielen oder auf dem Markt. Im Klassenzimmer, insbesondere bei theologischen und philosophischen Gedankengängen kommt Tok Pisin schnell an seine Grenzen. Abstrakte Begriffe und Vorstellungen kosten dann sehr viel Sorgfalt und Mühe, um für sie eine angemessene Übertragung in anschauliche Formulierungen und exemplarische Geschichten zu finden. Den Schülern gebe ich den Rat, ihr Englisch nicht zu vernachlässigen. Englisch ist eine der Amtssprachen Neuguineas und offizielle Unterrichtssprache an Grund- und weiterführenden Schulen. Mögen oder gar können tun’s viele nicht. Manches lässt sich auf Englisch viel präziser, eleganter und kompakter als auf Tok Pisin ausdrücken.
In einer kleinen Übung im Unterricht haben wir für das wahrscheinlich am häufigsten vorkommende Tok-Pisin-Wort – die Präposition „long“ – eine Liste angefertigt:
stap long ples – to be in the village
long Mande mi lusim ples – I left the village on Monday
long bihaintaim – at a later time
go long ples – to go to the village
yu mas tambu long simok – you must abstain from smoking
kaikai long spun – eat with a spoon
kam long PMV – to come by bus
save long planti samting – to know about many things
em i win long strong bilong em – he won because of his strength
long wanem – on account of
long san em i kam – he came during the day
long tingting bilong mi – according to my opinion
„long“ wird in vielfältigen weiteren Wortkombinationen benutzt. Wer Tok Pisin zum ersten Mal hört, wird ganz longlong.
„Long“ i inap mekim ol i longlong nabaut. „Long“ macht einen ganz verrückt.

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Südsee als Legespiel

Das bekannte Spiel Carcassonne gibt es jetzt auch in der Variante „Südsee“. Die Marketingstrategie ist immer die gleiche: variatio delectat. Der Kunde hat schon, aber er kauft gern updates.
Statt Wegen, Wiesen, Klöstern und Städten werden jetzt Stege, Meere, Inseln und Märkte gelegt. Als Figuren dienen Händler, Fischer, Muschelsucher und Bananenpflücker. Carcassonne Südsee hat mit der pazifischen Region so wenig zu tun wie Carcassonne mit der mittelalterlichen südfranzösischen Stadt. Aber soviel ich im Netz sehen konnte, entsteht beim Spielen eine schöne Inselwelt aus den gelungen gestalteten Spielplättchen. Das Spiel eignet sich gut, um Spaß am Spielen zu haben und somit, nach dem bekannten Zitat von Schiller, ganz Mensch zu sein. Ohne solch selbstvergessenes Spielen wäre die negative Seite des komplizierten Südseegeflechts aus kultureller Auflösung, zu schneller wirtschaftlicher Entwicklung, High Tech-Schock, Umweltproblemen, big business, Korruption, schnellem Bevölkerungswachstum, Rückfall in tribale Kriege, Hexenmorde und Gewalt gegen Frauen und Kinder nicht zu ertragen.
Unter unseren Studenten ist übrigens UNO der Hit. Im Haus des Volontärs geht das manchmal bis früh um drei. Spielen stärkt die Gemeinschaft und vertreibt die Tristesse.

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Und schon wird wieder gekocht

Nur ein paar Stunden nachdem das Kochhaus von Mrs. Kiku abgebrannt war, stand schon wieder ein Provisorium. Die den Flammen zum Opfer gefallene Küchenausrüstung wurde durch eine spontane Spendenaktion ersetzt. (Mal ehrlich: Wer, ob in D oder PNG, könnte nicht die Hälfte von seinen Töpfen, Tassen und Tellern abgeben, ohne zahlenmäßig irgendetwas zu vermissen) Mrs. Kiku, meinte, sie besitze jetzt mehr und bessere Töpfe als vor dem Brand. No hay mal que por bien no venga😉

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Landbesetzung

Überall in PNG kommt es zu illegalen Landbesetzungen. Die Bevölkerung wächst rasant und rund um die größeren Städte sind Settlements entstanden. Hier wurde ein notwendigerweise brach liegendes Stück Gartenland unserer Studenten, das in der Nähe eines kleinen Flusses liegt, von Unbekannten für einen Hausbau vorbereitet. Was wie eine Vogelscheuche aussieht, ist ein „Tambu“, ein Tabu-Zeichen: Stopp, Betreten verboten, das gehört uns! Unsere Studenten haben es aufgestellt und auch einige Tanget-Zweige verteilt. Tangetpflanzen, auch wenn nur unscheinbar und oft nicht höher als 30 cm, wirken wie eine Mauer – solange traditionelle Tabus und Rechte respektiert werden. Davon kann oft keine Rede mehr sein. Andererseits: Kürzlich traute sich die Polizei nicht in unser Nachbardorf, weil ein gesuchter Krimineller mit einem bösen Zauberzeichen die Straße blockiert hatte. Keiner der schwer bewaffneten Polzisten traute sich durchzufahren.

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Auch nicht schön: Das Kochhaus unserer Lehrerin brannte um 4 Uhr früh ab. Unachtsamkeit? Brandstiftung?

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