Diese alte Martin
Hobelmaschine aus Ottobeuren steht seit Anfang der 50er (des letzten Jh.) in unserer Werkstatt und tut brav ihren Dienst. Hier bekommt sie grad neue Messer spendiert.
Einzug
Logaweng hat Besuch aus Deutschland. Aus dem Partnerdekanat Castell ist Dekan Günther Klöss-Schuster angereist, um den Partnerschaftssonntag mit uns zu feiern. Einzug mit Posaunenchor? Natürlich nicht, aber mit Kundu (Trommel) und Singsing. Dirndl und Trachtenanzug gibt’s hier auch, sieht nur anders aus. Gäbe es hier Trachtenvereine, würden sie vermutlich eifrig über die Unterwäsche als Zugeständnis an moderne Zeiten diskutieren.
Lebensart in PNG
Wie angekündigt, hoffe ich, Euch in nächster Zeit ein paar Impressionen vom Alltag in PNG abseits der Städte liefern zu können. Hier das Wohnzimmer einer Familie, die am Weg zum Markt wohnt.
Heute bietet der Markt reiche Auswahl:
Schön anzusehen, aber ungenießbar für mich: Buai (Betelnüsse zum Kauen)
Online!
Die „line“ nach Logaweng ist lang und von Unterbrechungen, also den üblichen Strom-, Netz- und Transportausfällen bedroht. Heute funktioniert mal alles!
Nach der Weihnachtspause in Deutschland bin ich wieder wohlbehalten am Senior-Flierl-Seminary angekommen. Seit letzter Woche läuft der Unterricht. Das Haus wartete staubig und mit reichlich Schimmel an den Wänden auf mich. Die Regentanks waren randvoll, sodass ich gleich loslegen konnte mit Putzen. Wasser musste allerdings per Eimer ins Haus befördert werden – „Pauakat“. Das E-Werk für Finschhafen, bestehend aus einem 150kW-Generator, kann seinen Diesel nur sporadisch bezahlen und wird per Speedboot beliefert. Hauptleidtragende: Die Patienten im Krankenhaus in Butaweng. Leider ist auch unser Campus auf Strom angewiesen: Werkstatt und Office liegen lahm. Problematischer für uns ist allerdings der Ausfall der Wasserversorgung für die Studenten von einem niedrig gelegenen Flüsschen aus mittels Elektro-Pumpe. Unsere Studenten bekamen alle einen Tag frei, um neue Plumps-Kloos zu graben. Ein „WC“ braucht halt „W“ wie Wasser, ein „PK“ nicht.
Etwa eine Stunde zu Fuß durch Wald und Gärten führt der Weg nach Gagidu zum Markt. Hier die Ausbeute am heutigen Samstag Vormittag: Ananas, Tulip (die grünen Ficus-Benjamini-Blätter oben), unbekanntes Blattgemüse, Bananen, Paprika, drei geräucherte Fische (Makrelen?), Erdnüsse, Guaven, Passionsfrucht, Mango, Ingwer.
culture clash
Bei einer Einkaufsfahrt durch Lae wird man schnell Wanderer zwischen den Welten. Während ich dies schreibe, singt der Church Council (Kirchenleitung), der nebenan im Lutheran Conference Centre tagt, „Stille Nacht“ zur Morgenandacht. Der Bischof und seine Oberkirchenräte sind ihrer Zeit voraus;-) wir haben den 28.11.
Man sieht es kaum, was auch gut so ist: Auf der grünen Wiese stehen rund um den Weihnachtsbaum Elche, Schneemänner, blühende Franchipani und Palmen. Alles aus Plastik. Der Ministerpräsident (siehe Werbetafel) wünscht uns damit Merry Christmas and a Happy New Year 2015.
Der Markt und die Sing Sing Grup dagegen haben mein Herz erfreut. Die scheinbar finster dreinblickenden Tänzer waren überaus freundliche Menschen. Mit ihren traditionellen Gesängen und Liedern erzählten sie uns Passanten überzeugend von ihrem christlichen Glauben und dem „Health Awareness Program“ ihrer Gemeinde in Wagamo.
Sicherheitslage
Der Situation in Papua Neu Guinea ist nicht leicht gerecht zu werden: Paradies? Gescheiterter Staat? Wirtschaftsboom? Im freien Fall?
Dass es mir hier alles in allem sehr gut gefällt, hängt natürlich mit meinen vielen positiven Erfahrungen mit Land und Leuten zusammen. Allerdings sind diese immer gefährdet. Ein erholsames Reise- und Urlaubsland ist PNG nicht. Von Besuchen rate ich ab. Die Einschätzung des Auswärtigen Amtes entspricht leider der Realität (http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Laenderinformationen/00-SiHi/PapuaNeuguineaSicherheit.html):
Landesspezifische Sicherheitshinweise des Ausweärtigen Amtes
Kriminalität
Die Kriminalitätsrate in Papua-Neuguinea ist sehr hoch. Besondere Vorsicht wird bei Aufenthalten in der Hauptstadt Port Moresby, in Lae, im Hochland, in Mount Hagen und auf der Insel Bougainville (siehe unten) empfohlen. Insbesondere im Hochland kann es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Clans kommen. In den Bergbauprovinzen Southern Highlands, Enga und Hela kam es bei Auseinandersetzungen innerhalb der lokalen Bevölkerung teilweise zur Verhängung eines unbefristeten Ausnahmezustandes, wie zuletzt in Porgera (Enga) im Mai 2014. Demonstrationen und Versammlungen sollten gemieden werden, da die Möglichkeit gewaltsamer Ausschreitungen besteht. Es muss damit gerechnet werden, dass in einer Notlage Hilfe durch Sicherheitskräfte nur eingeschränkt zur Verfügung steht.
Die Zahl der bewaffneten Raubüberfälle und Einbrüche, bei denen die Täter eine hohe Gewaltbereitschaft bis hin zu Mord zeigen, steigt. Vor allem an Geldautomaten ist Umsicht geboten, wo selbst Ortskundige bereits beraubt und getötet wurden.
Die Zahl der Berichte über gezielte Vergewaltigungen steigt; Übergriffe erfolgen meist ohne Vorwarnung. Für alleinreisende Frauen besteht erhöhte Gefahr.
Auf Grund der Gefahr einer Ansteckung mit HIV/AIDS sollten Opfer von Gewaltverbrechen, insbesondere Vergewaltigung, unverzüglich einen Arzt aufsuchen – siehe auch Abschnitt „Medizinische Hinweise“.
Nach Einbruch der Dunkelheit sollte man sich außerhalb bewachter Anlagen (z.B. Hotels, Restaurants) nicht zu Fuß fortbewegen und auf Überlandfahrten verzichten. Nachdrücklich wird empfohlen, ausschließlich Transportmittel der Hotels beziehungsweise Reiseveranstalter zu verwenden und wegen der Gefahr von Überfällen auf die Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln und Taxis zu verzichten. Überfälle auf Autos im Straßenverkehr (car-jacking) sind eine allgegenwärtige Bedrohung. Die Fenster des Fahrzeuges sollten geschlossen und die Türen verriegelt sein.
Bougainville
In der autonomen Provinz Bougainville ist mit einer noch höheren Kriminalitätsrate als in anderen Landesteilen zu rechnen. Insbesondere betroffen ist der Süden der Insel, der von mehreren Rebellengruppen kontrolliert wird. Das Bergland in Zentralbougainville um die Panguna-Mine ist eine verbotene Zone. Es wird dringend davon abgeraten, dieses Gebiet ohne offizielle Genehmigung zu betreten. Reisende nach Bougainville müssen sich grundsätzlich vor Reiseantritt mit der Provinzverwaltung von Bougainville in Verbindung setzen (Telefon: +675 973 9798) und die Provinzverwaltung bei Ankunft nochmals kontaktieren.
Reisen über Land – Straßen- und Schiffsverkehr, Trekkingtouren
Bei Individualreisen sollte man besondere Vorsicht walten lassen. Sie sollten besonders umsichtig geplant werden. Es gibt in Papua-Neuguinea keine Infrastruktur für Individualtouristen. Öffentlicher Transport steht nur sehr eingeschränkt durch Kleinfahrzeuge (siehe dazu ergänzender Hinweis) und auf Grund der geografischen Gegebenheiten, auch nicht in allen Gebieten, zur Verfügung. Reisende werden an öffentlichen Plätzen und auch in Unterkünften häufig zu Opfern von Raubüberfällen. Einfache Unterkünfte sind weit unter den int. Standard und verfügen oftmals nicht über Sicherheitspersonal.
Organisierte Gruppenreisen mit ortskundiger Begleitung sind in jedem Fall vorzuziehen. Bei Überlandfahrten muss mit einem schlechten Straßenzustand gerechnet werden. Stellen, an denen Hindernisse (z.B. Erdrutsch, beschädigte Brücke) zum Anhalten zwingen, bieten Wegelagerern eine ideale Gelegenheit zum Überfall.
Die Sicherheitsstandards auf Fähr- und Küstenschiffen entsprechen nicht internationalen Standards.
Im September 2013 kam es zu einem Überfall auf eine Trekkinggruppe auf dem Black Cat Track in der Morobe Provinz. Auch der Kokoda Trek ist von gewalttätigen Übergriffen betroffen. Auf Grund ungeklärter Landverhältnisse und rivalisierender Stammesgruppen können gewalttätige Zwischenfälle während des Treks nicht ausgeschlossen werden.
Häufig kommt es zu Überflutungen und Erdrutschen, teilweise mit Todesfolgen. Erkundigen Sie sich vor Reisebeginn bei den örtlichen Stellen, ob die Straßen bei Regen passierbar sind.
2 Aua
Zwei Stunden sind nicht zwei Stunden. Wie kommt es, dass sich Menschen aus PNG wohlfühlen, wenn ein Gottesdienst, ein Meeting oder das Warten auf das Speedboat „ewig“ dauern? Mir geht das PNG-Zeitgefühl gegen den Strich und ich erlebe es oft als sinnloses Rumgesitze und Rumgehänge. Die in Deutschland üblichen Ausweichmanöver funktionieren hier meist nicht: „Kein Netz“, um sich mit dem Smartphone vom Nichttun abzulenken.
Was ich inzwischen mühsam lerne und auch schätze: PNG hat eine Mußepräferenz. Zugespitzt gesagt: Als gutes Leben gilt ein untätiges Leben. Dabei ist unbdingt der qualitative Unterschied von „nichts tun“ und „nicht tun“ zu beachten. In einem Meditationsbuch las ich, dass geistesgegenwärtiges Nichttun Meditation sei, geschäftiges Nichtstun dagegen Zeittotschlagen.
Alle Zeit in PNG wird in Gemeinschaft verbracht. Ich sehe hier keinen allein sein. Weder im Krankenhaus noch irgendwo am Straßenrand oder in einer hundert Meter langen Schlange vor der Bank. Jede Zeit ist gemeinschaftlich verbrachte Zeit. Kürzlich in der Lehrerkonferenz saßen wir minutenlang einfach schweigend zusammen. Keiner rannte davon, nur weil alles besprochen oder noch so viel zu tun war. Es geschah ein aktives gemeinsames Nichttun. Sehr wohltuend.
Bisher war Christentum für mich immer eine Arbeitsreligion. Lebenszeit – egal ob Alltag, Feiertag oder Urlaub – wird abgearbeitet. Die Pflicht zur Arbeit besteht für mich nach außen und innen: Gestaltung der Welt und Bildung des Selbst. Wie selbstverständlich habe ich nach dem humanistischen Grundsatz gelebt: Der Mensch wird nicht geboren, sondern gebildet. Also wird jede freie Minute gelesen, musiziert, gewerkelt, gebastelt, gekocht, gebacken, geschrieben… Anstrengend.
Aua
Am Sonntag war „ELC-PNG Nesinol Sande Skul De“. In allen Gemeinden der Lutheraner in PNG gestalteten die Sande Skul Tisa (Kindergottesdienst-Leiter) mit ihren Kindern den Sonntag: Gottesdienst, Theaterstücke, Spiele, Musik, Essen, was halt so dazugehört zu einem großen Fest.
Zur Begrüßung im Gottesdienst wurde mitgeteilt: „Lotu progrem bilong ol pikinini i no ken kamap longpela tru stat long monin i go long apinun. Na givim les long ol pikinini. Nogat. Em i ken kamap sotpela taim inap long skel bilong ol pikinini stret, inap long 2 aua tasol.“ Damit die Kinder nicht müde werden und sie sich langweiligen (givim les), soll der Gottesdienst nicht länger als nur (tasol) 2 Stunden (aua) dauern.
Im Gottesdienst wurde viel gelacht. Z.B. über ein Mädchen, das im Dunkeln aus Versehen das kleine Schweinchen statt das Baby der Familie packte und vor den Räubern rettete. Text war Matthäus 25, das Gleichnis von den 5 klugen und den 5 törichten (=kranki) Mädchen. Letztere hatten nicht genügend Kerosin in ihren Coleman-Lampen, sodass sie im Dunkeln nichts mehr sehen konnten. Für den Rest meines Lebens werde ich mich beim Anblick einer Campingleuchte als erstes fragen, ob ich auch für genügend „Kerosin“ gesorgt habe. Den Eltern und Lehrern wurde nämlich eingeschärft, für den Brennstoff in den Lampen der Kinder gut zu sorgen: Kinder sollen durch ihre Eltern und Lehrer Vertrauen und Zutrauen zum Leben gewinnen. Dann werden ihnen – auch in langen Nächten – Glaube und Hoffnung nichg ausgehen.
Nach dem Gottesdienst sahen die SandeSkul-Kinder und ihre Lehrer (einige unserer Studenten) nicht „les“ aus.
Warum haben wir keine Website?
Ja, warum hat das Senior-Flierl-Seminary keine Website? Als ich die Frage stellte, lachte man mich aus. „Websites sind für Gestrige. Wir kommunizieren alle über facebook, website ist überflüssig.“
Natürlich gibt es eine offizielle Website der Kirche: http://www.elcpng.org. Aber kaum jemand hat einen Computer und kann sich den nötigen Datenverkehr leisten. Mobiltelephone haben dagegen viele und Up- und Downloads bei facebook oder WhatsApp liegen im finanziell leistbaren Bereich. PNG´s Kleine-Leute-Digitalpotenz wurde heute bei der Konfirmationsfeier deutlich. Zur Segenshandlung stürmte die Hälfte der Gemeinde nach vorne und hielt ihre Mobilkameras drauf. Noch vor dem Segen wurden Bilder „geposted“. Dabei heißt „post“ doch „danach“ oder „später“.
Auch hier wollen Menschen sofort! alles! billig! Sollte Amazon seinen Drohnen-Auslieferservice in PNG anbieten, dann flögen uns die Chinawaren bis ins letzte Dorf um die Ohren. Cargo-Bestell-Cult ist überall. Damit kenne ich mich übrigens aus. Schließlich bestelle ich einiges für mich und die Familie von PNG aus und lasse nach Hause liefern.
Macht´s gut und bleibt kritisch!
PS Bis auf Weiteres werde ich facebook keinen Zucker zu geben.
PPS Amazon versendet nicht nach PNG. Da kommt nämlich nix beim Adressaten an.
PPPS Im Moment hängt mein Laptop drahtlos am Handy und nutzt dieses als Hotspot. Technik, die begeistert. Aber:
PPPPS Das wirkliche Leben findet offline statt. Zeit für Kaffee und Kuchen…













