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auf ein Neues!
Heute beginnt das neue Studienjahr, zugleich mein letztes, am Senior Flierl Seminary. Eine gute Gelegenheit, dem „.“ einen weiteren Punkt hinzuzufügen. Dann wird daraus ein doppelter:
Und los gehts mit einer guten Nachricht. Die ELC-PNG hat einen neuen Bischof:
Jack Urame, Direktor des Melanesian Institut in Goroka, wurde am 15. Januar bei der Synode in Heldsbach gewählt. Assitatant Bishop wurde Kedabing Lucas, bis Mitte letzten Jahres noch Principal unseres Seminary´s.
Es herrscht große Freude über das Wahlergebnis. Nun sind wir gespannt, wie schnell die ELC-PNG aus ihrer Führungskrise und Lähmung herauskommt.
Am Wahltag konnten wir bei der Verkündung der Ergebnisse in Heldsbach dabei sein. Das IT- und Communication-Team hatte einen Radiosender mit aktueller Synoden-Berichterstattung auf UKW in Heldsbach und als Stream im Internet eingerichtet. Wer hatte, also so gut wie jedeR, hing am Handy und konnte die Ansage in der Versammlungshalle live mithören. Die ca. 3tausend Synoden-BesucherInnen hielten gemeinsam die Luft an und atmeten auf. Für einen Posaunenchor wäre so ein gemeinsamer Atemeinsatz ein Traumstart geworden.
Posaunenchor? Na klar. Richtig erkannt! An der Fahne: Gertrud.

Punkt
„Freilich, zu jeglicher Schrift braucht man auch Komma und Punkt.“ Den Satz von Goethe reiße ich hier gern aus dem Zusammenhang. Ja, Komma und Punkt brauchts. Im Internet geht es immer weiter, ohne Punkt und Komma. Ich bin so frei, setze einen Punkt und beende diesen Blog. Kann durchaus sein, dass ich den Faden irgendwann wieder aufnehme. Die Algorithmen von Google, facebook, Amazon und Co. wissen das vielleicht schon. Ich nicht.
Danke für’s Lesen, Euer Interesse und Eure Anteilnahme! Bleibt behütet und widersteht so gut es geht der Selbstausbeutung und Preisgabe Eurer Freiheit in unseren neoliberalen Zeiten. Legt ab und zu den Rosenkranz (Smartphone) aus der Hand und sitzt nicht zuviel im Beichtstuhl (fb). Als speziell papua-neuguineische Therapieformen gegen den allgegenwärtigen Wahnsinn haben sich bewährt: sindaun nating (dumm rumsitzen mit Freunden) und katim diwai (alles von Bäume fällen bis Stöckchen schnitzen).
Marimari bilong Jisas Krais na sori bilong God Papa na wanbel bilong Holi Spirit i stap wantaim yupela nau na oltaim .
Krais i kirap bek.
Tru tumas, em i kirap bek.
Ostereinkäufe
Vor den Feiertagen ist ganz PNG unterwegs. Auf den Märkten und in den Läden geht es nicht anders zu als in Deutschland. Dieses Fahrzeug kam heute früh von und fährt heute noch nach Pindiu zurück. Dort endet das Straßennetz von Finschhafen. Entfernung etwa 60 km/vier Std. Es wollen und werden tatsächlich alle mitfahren. In PNG herrscht übrigens Gurtpflicht – aber nur für die Insassen.
Hiergeblieben! Nicht verzweifeln.
Hiergeblieben!
Wenn ich weiter unten im Text einige Emails der letzten Wochen zusammenfasse und zum Teil wörtlich wiedergebe, ergibt sich daraus ein trauriges Bild der Lage in PNG. Überseemitarbeiter erwägen dann manchmal ein Moratorium der Partnerschaftsarbeit: „Rückzug! Kein Geld, keine Leute, keine Unterstützung mehr für eine Kirche, die dabei ist, sich selbst zu demolieren.“ Einige Personen der Führungsebene der ELC-PNG würden dies (das Geld ausgenommen) sogar begrüßen. Ich bin mit so gut wie allen anderen hier allerdings einig: Hiergeblieben! und nicht aus der Verantwortung stehlen. Ein Rückzug bestraft die Falschen. Im Falle des Senior-Flierl-Seminary´s die Studenten und Lehrer, die fröhlich, unermüdlich und motiviert diese Institution zur Pfarrerausbildung betreiben. Die drei verbliebenen Übersee-Dozenten (USA, Philippinen, Deutschland) und die sieben einheimischen Lehrer halten in gemeinsamer Anstrengung den Betrieb am Laufen. Jeder bringt seinen speziellen Beitrag ein. Einige Beiträge aus Übersee: Organisation und Entwicklung des Lehrplans, Anschluss an den theologischen und pädagogischen Diskurs weltweit, Bibliothek, Finanzen. Auswahl Beitrag PNG: Organisation und Entwicklung des Seminars insgesamt, Reflexion der spezifisch melanesischen Theologie, Organisation des Lebens und der Versorgung auf dem Campus, Gottesdienste, Seelsorge. Partnerschaft heißt hier: Das Senior-Flierl-Seminary ist ein Gemeinschaftsprojekt und würde ohne den Beitrag des jeweils anderen keinen Bestand haben. Eine Ausbildungsstätte für angehende Pfarrer zu schwächen oder gar zu schließen, wäre aber angesichts der Lage im Land und in der Kirche dumm.
Nicht verzweifeln!
Die Lage in PNG ist von massiven Spannungen und Grenzerfahrungen – Neusprech: „Herausforderungen“ – gezeichnet. Zwei Problembereiche tauchen in Variationen immer wieder in den Schlagzeilen der Zeitungen auf: Zum einen das Wiedererstarken lebensfeindlicher „black magic“-Traditionen. Wie eine tödliche Seuche breitet sich vor allem der projizierte Hexenwahn und Zauber-Verdacht aus. Dessen Folge ist oft Folter und brutale “pay-back”-Morde sowie entsprechende Rache-Kettenreaktionen. Zum Davonlaufen auch: Cargo-Kult, Renaissance von Ahnen- und Geisterfurcht, Ritual-Bandenbildung unter Jugendlichen. In den Städten wird das Auseinanderdriften in sehr Reiche und Chancenlose überdeutlich. Der öffentliche Sektor ist heruntergewirtschaftet, die Müttersterblichkeit eine der höchsten weltweit. Auf der anderen Seite der stacheldrahtbewehrten Mauern prosperiert der private Reichtum mit allen seinen Insignien vom Smartphone bis zur Luxusyacht.
Die geistigen, geistlichen und gesellschaftlichen Nöte bringen nicht wenige Menschen dazu, ihr Heil in Fundametalismen oder der vermeintlichen Rückkehr zur vorchristlichen Epoche zu suchen. Zum Straßenbild in Lae gehören durch Alkhol- und Drogenmissbrauch glasig dreinblickende, torkelnde junge Männer. Eine Unzahl mehr oder weniger neuer Missionen und Kirchen mit ihrem ewigen Bekehrungsdruck und faden Versprechungen stärkt weder die Glaubwürdigkeit des Christentums noch den inneren Zusammenhalt der Gesellschaft. Langfristig werden diese Christentümer Enttäuschung und Abwendung vom christlichen Glauben provozieren. Auf den Plätzen und Märkten der Städte kreischen und plärren den ganzen Tag die Batterielautsprecher der einheimischen Weltuntergangsprediger. Deren Apocalypse-Now-Botschaft wird bereitwillig, teils ängstlich zustimmend, selten amüsiert, noch seltner ablehnend vom zahlreichen Volk gehört.
Anderswo tobte schon längst ein Bürgerkrieg. Die ethnische Vielfalt mit ihren 850 autonomen Ethnien sowie die mangelnde Logistik vereiteln dies. Wie gut, dass die Wut und Frustration weiter Bevölkerungsteile nicht zu organisierten Aufständen und Unruhen führen. Leider entwickeln sich auch keine landesweite Opposition und Alternative zum Kleinklein partikularer Interessen und einer korrupten Polit-Elite. Der täglich Frust und das Gefühl, um den Wohlstand betrogen zu werden und zu kurz zu kommen, entlädt sich dennoch: ein hohes Maß an körperlicher Gewalt wird überall ausgeübt – gegen Frauen, Kinder, Schwache, Außenseiter. Staatliche, verlässliche Ordnungskräfte versagen. Polizeiliche Gewalt? Gewalt ja, aber oft willkürlich und unkontrolliert. Das staatliche Gewaltmonopol ist in die Hände privater und zum Glück relativ zuverlässiger Sicherheitsdienste übergegangen. Diese beschäftigen als größte Arbeitgeber in PNG ein Heer von schlecht bezahlten Wachleuten. Auch Gerichte sind von der allgemeinen Korruptheit und Ineffizienz behördlicher Instanzen infiziert. Weithin setzt sich Traditionsrecht durch, d.h. die Macht der Stärkeren. Pay-Back (das hat nichts mit den in Deutschland so genannten Rabatt/“payback“-Karten zu tun) , Feme und Magie legitimieren das Vorgehen.
Angesichts dieser Nöte sollte man erwarten dürfen, dass die Lutherische Kirche in PNG Alternativen bietet. Dieser Traum wurde während der letzten Jahre manchmal in sein Gegenteil verkehrt: Die Kirchenleitung ist in sich zerstritten; der Bischof überschreitet laufend sein Mandat; er überlebt oder umgeht “irgendwie” Gerichtsverfahren; er prozessiert gegen seine eigene Kirche und hat mit anderen zusammen Millionen von Kina an Regierungsmitteln für ein Universitäts-Hirngespinnst verbraucht und verschwendet. Seit Jahren verschlimmert sich der De-facto-Bankrott der ELC-PNG. Hoffnungsvolle, fachgerechte Sanierungspläne und Menschen, die dafür einstehen, gibt es! Können sie sich durchsetzen? – so fragen sich viele. Manche fragen uns „Waitman“: Wollt Ihr jetzt auch weggehen? Dass wir bleiben, ist für viele ein Zeichen großer Hoffnung und Ermutigung. Wenige sind wir allemal. Nur eine Handvoll Überseemitarbeiter ist im Dienst der ELC-PNG. Unsere Verträge sind kurz. Die Arbeitsperioden aller drei Überseemitarbeiter am Senior-Flierl-Seminary enden 2016.
Samstag ist Markttag
Die Stunde Fußmarsch durch den Wald auf den Markt gehört zu meinem festen Wochenprogramm. Die Frauen aus Maiwara sind trotz Ihrer schweren Bilum erwa doppelt so schnell wie ich.
Der Metzger ist auch schon da. Heute hat er Pferd im Angebot. Das erste Pferd, das ich in unserer Gegend sehe, leider ein totes.

Um Madang herum gibt’s Rinderweiden und richtige Cowboys.
Zum Abschluss eine Kulau. Den Kaffee mach ich mir dann daheim – nach Ablegen der restlos durchgeschwitzten Klamotten.
Wo wohnst Du?
Aber hier wohnt es sich gut. Rechts die Schlafräume. Mitte Wohnzimmer. Links die Küche. Der Draht vorne ist nicht die Stromleitung, sondern die Wäscheleine. Strom gibt´s in der Taschenlampe. Wasser gibt´s aus dem Fluss. Da wird auch die Wäsche gewaschen. Essen wächst im Garten. 
Der neue Sterilisator
aus Indien für das Krankenhaus funktioniert nicht… mal an der Leitung fühlen, ob Wasser zuläuft. Da läuft nix.




