Archiv
Erste Eindrücke aus Amron
Zeit für ein paar Eindrücke vom Gelände des NETC (National Evangelist Traineng Centre) der Lutherischen Kirche von PNG und den Menschen hier.
Hier wohnen unsere Stundenden:
Und das ist die Versammlungshalle mit ein paar angebauten Büros und der Bibliothek
Ich setze die „Laiberi“ mal in Anführungszeichen… Die Holzstaubhäufchen unter den Regalen stammen nicht von Bücherwürmern.
Da ist der Holzbock im Gebäude. Termiten wären schlimmer.
Täglich gibt es zwei Andachten, um 9h und um 19h. Das gibt dem Tag Struktur und hilft, auch innerlich in Form zu bleiben.
Gutes Essen ist wichtig und findet sich bei mir im Garten: Sauersap. Jeremi, das Nachbarskind, zeigt mir, wie man das isst. Siht so aus und schmeckt wie Zitronenjoghurt.
Auf ein Neues in PNG
Das Haus in Amron bei Madang ist bezogen. Den Inhalt eines Koffers und mein Euphonium hat es problemlos aufgenommen. Das Internet kommt nach einigem Rumprobieren und Gebastel mittels Mobilfunk herein, die Wassertanks draußen sind dank Regenzeit voll und auch der Kühl- und Vorratsschrank sind nach einer Einkaufstour gut gefüllt. Zur Sicherheit habe ich mal eine Moskitonetz aufgehängt, denn das Haus ist aus den 50ern und pfeift aus vielen Schlupflöchern. Also lieber vorbeugen. Von den fliegenden, kriechenden, krabbelnden und nagenden Geschöpfen, die hereinfinden möchten, sind die Malariamücken am unauffälligsten. Die kleinen Mücken stechen nur Nachts und vom Stich ist morgens nichts zu merken. Ganz anders die nagenden Hausgenossen, die sich an meinen Reis-, Nudel-, und Kekspackungen bedient haben – ungefährlich aber dreist am hellichten Tage.
In Zukunft werde ich hier natürlich nicht nur leere Räume zeigen. Land, Leute, Leben warten darauf entdeckt zu werden. Aber immer schön eins nach dem anderen. Isi isi…


Wok pinis. Arbeit zu Ende.
Die Arbeit als Short Term Lecturer am Senior Flierl Seminary in Logaweng ist zu Ende. Mein Nachfolger, dritter von rechts, ist diese Woche bereits mit Familie gekommen – und darf länger bleiben. Hier seht Ihr das für den Lehrbetrieb zuständige Kollegium inklusive studentischer Vertretung bei einem „light refreshment“ zu meinem Abschied.
Ich hole jetzt die Fahne ein und schließe den Blog. Danke fürs Schauen und Mitgehen. Ich freue mich, Euch im Januar leibhaftig wiederzusehen! Vorher gibt es noch Urlaub in Australien und Kuba. Wenn ich schon mal unterwegs bin… Die Niuginis haben, wenn sie mich auf einem der bushroads um Logaweng trafen, manchmal gerufen: Ey, yu man bilong wokabaut tru! Stimmt schon. Orait, bai mi tromoi leg nau. „Ich werf jetzt mal das Bein.“ Bel isi i stap wantaim yupela. No ken pret. Friede sei mit Euch. Fürchtet Euch nicht.
Welt-Aids-Tag
Zum Welt-Aidstag am 1. Dezember hat das Braun Hospital eine Bewussteseins-Kampagne veranstaltet. Das Thema ist für PNG äußerst brisant. Ein paar Wiki-Zahlen ohne Gewähr: Die öffentlichen Gesundheitsausgaben betragen etwa 3 % des Bruttoinlandsprodukts (37 Euro für Gesundheit pro Person/Jahr). PNG hat mit geschätzten 2 % der erwachsenen Bevölkerung die höchste Rate von HIV und AIDS im Pazifikraum. Auf 100.000 Einwohner kommen 5 Ärzte. Zum Vergleich Deutschland: knapp 12% des BIP also 3000 Euro pro Person/Jahr (was jeder selber in der Apotheke oder als Dienstleistung kauft nicht eingerechnet), 650 Ärzte pro 100.000 Einw. Ich glaub nicht, dass es in PNG Ergo- oder Physiotherapeuten gibt. Angebote der in Deutschland breit aufgestelleten Phalanx spezialisierter Therapeuten? Tabula rasa. Im Vergleich zu den Heilpraktikern bei uns, sind auch traditionelle Heiler eher selten.
Bei der Kampagne gab es Infostände, Theaterstücke, Musik, Diskussionen, Möglichkeit eines Bluttests, Beratung. Seht selbst…
Wege und Ausblicke
Auch für mich beginnt die Zeit, Abschied zu nehmen von Logaweng. Bevor es heute nachmittag ein offizielles Abschlusstreffen gibt, noch einmal ein Blick nach links zum Meer, geradeaus in den Garten, nach rechts in die Gärten und den Urwald…
Abschiedsessen
Die gemeinsame Vorbereitung und Vorfreude steigert den Genuß beim Essen. Hier ein paar Bilder zum Abschiedsessen eines Seminary-Arbeitskreises. Alle Familienmitglieder sind dabei. Los ging es in der Früh mit der Ernte im Garten und Feuerholz heranschaffen. Nach dem Kochen und einem ausführlichen open-air-Gottesdienst, ging es um etwa 16h ans Essen. Das war für fast alle außer mich die erste und einzige Mahlzeit am Tage. Entsprechend waren die Teller beladen. Zu den anschließenden Reden wurde süßer Kaffee oder Tee getrunken. Inzwischen nehme ich auch gern drei gehäufte Löffel Zucker pro Tasse. Auf die Frage, was er denn für ein Auto fahre (die beiden Räder mit der Stange, erkennt Ihr’s?), kam prompt die Antwort: Porsche.
Krankenhausbesuch
Eine knappe Stunde Fußmarsch von Logaweng entfernt befindet sich das Krankenhaus von Finschhafen. Etwa 200 Betten, Zahnarzt, Augenazt, Chirurg, Kinderstation, Röntgen, Labor, Apotheke, Ambulanz, HIV-Prevention-Center… alles da. Drei Ärzte und einiges an Spenden aus Deutschland unterstützen die Arbeit.
Danke allen, die mir im Juli eine Spende mitgegeben haben! In der Provinzhauptstadt Lae können davon direkt beim Großhändler preiswert Verbandmaterial und Medikamente eingekauft werden. Eigentlich ist es Aufgabe der staatlichen Gesundhaitsbörde, die Krankenhäuser mit allen Materialien auszustatten. Da kommt es dann vor, daß endlich Gipsverbände geliefert werden. Aber in so mieser Qualität, dass der Gips einfach nicht hält, was er halten soll. Knochenbrüche kommen häufig vor. Kokospalmen sind hoch…
Welche Krankheiten werden hier hauptsächlich behandelt?: Malaria, Infektionen, Knochenbrüche, Geschwüre, Schnittverletzungen, Verbrennungen (man hantiert hier von klein auf ständig mit offenem Feuer und Buschmesser herum). Es gibt alles außer Schönheits-OP. Man kommt hier mit sehr wenig Pflegepersonal aus, da jeder Patient von seinen Angehörigen mit Essen, Wäsche und jeder notwendigen Handreichung versorgt wird. Mama, Papa, Tante, Onkel, Kinder, Geschwister, Ehegespons, mindestens einer hat immer Zeit, beim Patienten zu sein, kocht für ihn, hilft ihm aufs Häusl und schläft nachts auf einer Matte neben ihm. Geteiltes Leid ist halbes Leid.
Schwein gehabt
Einen Schweinebraten gibt es nicht oft. Die angehenden Vikare und ihre Familien feiern Abschied und haben eingeladen. Alle freuen sich auf die willkommene Unterbrechung der bis auf gelegentlichen Dosenfisch und Corned Beef üblicherweise vegetarischen Kost.
Konfirmation in Obasiga
Das Fest der Konfirmation begann am Samstag mit einem Abendgottesdienst für die Konfirmanden und ihre Familien und Gäste. Im Gottesdienst am Sonntag wurden 61 Mädchen und Buben im Alter von etwa 14 Jahren konfirmiert. Die dreistündige sehr abwechslungsreiche festliche Liturgie wurde halb in der Lokalsprache Yabem halb in Tok Pisin gehalten; Predigt natürlich in Pisin, da ich Yabem nicht kann. Toll, auf so einer Kanu-Kanzel predigen zu dürfen (Markus 8,34-36)! Zu den Bildern vom Gottesdienst müsst Ihr Euch eine beeindruckende Phonstärke beim Singen der traditionellen Yabem-Lieder vorstellen.
Reformations-Patrol
Anders als wir in Deutschland hat die Mehrzahl der Menschen in PNG den größeren Teil ihres Lebens vor statt hinter sich. Und so gibt es hier kein einziges Altenheim aber Schulen, Schulen und was, schon wieder eine Schule?! Natürlich steht auch eine im Dorf Fioo, das wir am „Refomesin Wikend“ besucht haben. Die Straße geht bis Sattelberg, ab Beginn des 20 Jh. das Zentrum der Lutherischen Mission, inzwischen eine Ansammlung von Schulgebäuden rings um eine Kirche, die nach historischem Vorbild wiederaufgebaut wurde.
Unsere kleine „Patrol-Grup“ (zu Deutsch etwa: Theologisches Erwachsenenbildungsteam) bestand aus drei Studenten, Wolfgang Thumser, Weltwärtsvolunteer Martin und mir. Eingeladen hatten uns der knapp 70jährige Pfarrer Muwe und seine Gemeinde in Fioo.
Programm: Samstag „Baibelstadi“ in der Kirche auf dem Sattelberg. Sonntag Reformationsgottesdienst in Fioo. Für die Wegstrecke Logaweng – Fioo, etwa 30 km einfach, sind bei gutem Wetter 2 Sunden Fahrt und 2 Stunden Fußmarsch erforderlich. Wetter war perfekt und so hatten wir auch viel Zeit zum „Sindaun“ und „Toktok“. Die Frau des Pfrarrers hat uns in ihrem Kochhaus fürstlich bekocht und mit Kaffee, Tee und Zucker nicht gespart.
Als Thema der Baibelstadi (eine Art kleiner Theologiekurs) war gewünscht, einige aktuelle Probleme der Gemeinde anzusprechen: Magie/Zauberei – Konfliktlösung – Identität. Anders gesagt: Cargo Cult – Gewalt – Globalisierungsschock. Die Menschen, die zu solchen Treffen kommen, können sehr konzentriert und ausdauernd zuhören. Keiner fällt dem anderen ins Wort. Jeder darf lang und breit ausreden. (Sehr angenehm!) Die lutherische Theologie in ihrer neuguineanischen Ausprägung kann immer wieder befreiende und klärende Impulse für die Menschen, ihre Spiritualität und das Leben hier setzen. Sie führt aus der Vereinzelung, regt zum Gespräch an und ist kritisch gegenüber angemaßten Autoritäten. Ein Teilnehmer meinte am Ende, die Baibelstadi sei „gutpela marasin“, eine gute Medizin, gewesen. Wenn man den schönen Gottesdienst in der Ortssprache Kotte und das Konzert der Jugendband im Ska-Stil noch dazu nimmt, dann hatte dieses Wochenende für viele eine gute therapeutische Wirkung. Für mich selbst auf jeden Fall.
Das Dorf Fioo steht mit beiden Beinen in der neuguineanischen Realität: Ein Bein in der Steinzeit, eins in der globalen Moderne. Kein Strom, keine Straße, aber eine Wasserleitung und teils Häuser in stabiler Hartholz- anstatt in der leichten Bambusbauweise. Mobiltelefone und Solarlampen, aber eine offene Feuerstelle als Herd. Unser 70jähriger Gastgeber ging mit dem Handy genauso souverän um wie mit seinem Buschmesser und wie jeder 14jährige bei uns. Das bringt Vorteile, kann ihm doch seine geldverdienende Tochter in Port Moresby Geld aufs Handy überweisen. Damit kann er nun im Dorf per Überweisung auf jedes beliebige andere handy bezahlen. In der einen Hand das Buschmesser für die traditionelle Brandrodung, Subsistenzwirtschaft und Konfliktbewältigung, in der anderen Hand ein bargeldloses Bezahlsystem und multimediales Kommunikationsgerät (Hier wären ein paar Zeichen angebracht, wie sie in den Denkblasen über den k.o.-geschlagenen Römern im Asterixheft zu finden sind)!










































































