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Schule schwänzen?
Überflüssige Frage.
Ich empfinde es als angenehm, einige überflüssige Fragen mehr nicht beantworten zu müssen. Vor allem die rund um den Konsum. Die Internetwarenhäuser senden nichts nach Finschhafen oder gar Tami Islands. Der Laden auf der Hauptinsel hat eine bescheidene Auswahl: Reis, Zucker, Tee, Tang, Kaffee, Batterien, Streichhölzer, Gitarrensaiten.
Die Fragen, die sich uns heute noch stellen: Wann sollen wir Feuer machen? Und: Ist der Akku von meinem Handy gleich alle? Ja, aber Bilder vom Schulweg und der Schule auf den Blog laden geht noch. In der Flasche: Wasser mit Tang (=Getränkepulver mit Orangenfarbgeschmack) für die große Pause. „Krieg ich Erdbeer-/Waldmeister-/ Kirsch-…?“ „Doofe Frage. Wasser kannste noch haben.“
Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein.
„Ihr habt jetzt keine Lust auf die Prüfung?“ In einer deutschen Klasse würde mir an einem Montagmorgen ein genervtes „Nää!“ entgegenschwappen. Heute hörte ich als Antwort wie aus einem Munde ein freudiges Yessa!
Wie das? Es liegt nicht nur an den Regeln zur Verneinung. Und schreiben wollte auch niemand. Aber die Gelegenheit, mir zu sagen, dass ich verstanden habe und mich in meiner verneinenden Aussage zu bestärken, wurde sofort genutzt. Hätte ich gefragt: „Wollt ihr den Test schreiben?“, wäre die Antwort auch „Yes“ gewesen, aber zögerlich und also als „Nogat“ gemeint. Am besten also, immer so fragen, dass ein echtes „Yes“ möglich ist. Kommunikation in PNG ist beziehungsorientiert. „Die Sache“, um die es vordergründig geht, ist zweitrangig.
„Eure Rede sei: Ja, ja; nein, nein.“ Der Satz aus der Bergpredigt zielt für meine Ohren auf Klarheit und Wahrheit. Meine Studenten beziehen diesen Vers auf Freund und Feind, auf das Bestärken oder Zerstören von Beziehungen durch Sprache. Und so denke ich bei manchem „Ja“: Das ist jetzt in Deutschland gelogen, ist aber in PNG wahr, weil es der Stärkung unserer Beziehung dient.
Partnerschaftssonntag
Das Senior Flierl Seminary Logaweng und das Dekanat Castell haben seit 26 Jahren eine Partnerschaft. Heute ist der jährlich stattfindende Partnerschaftssonntag. Der Schatzmeister freut sich, die Kollekte in Höhe von 253,- Kina von Pastor Abec überreicht zu bekommen und an Castell senden zu können. Das Geld aus PNG soll Flüchtlingen in Castell zugute kommen.
Rechtschreibreform 2016
Rechtzeitig zum Partnerschaftssonntag wurde die deutsche Rechtschreibung an Tok Pisin angepasst. Der Text des Kanons „Lobet und preiset, ihr Völker, den Herrn“ auf dem Liedzettel für den Gottsdienst schreibt sich nun wie er lautet:

Wenn das kein gutes Zeichen für eine erfolgreiche Partnerschaft zwischen Bayerischer Landeskirche und Evanselikol Luteran Sios long PNG ist!
Daniel,
Hetman (Leiter) der Lutherischen Gemeinde auf Tami sorgt für die Organisation des Gemeindelebens. Jugendgruppen, Kindergottesdienst, Bibelgesprächskreise, Frauenarbeit, Konfirmandenkurs, Religionsunterricht an der Inselschule… alles da. Die insgesamt etwa 300 Bewohner auf den zwei bewohnten größeren Inseln unterhalten zwei Kirchen, Elmentary- und Primary School, einen Aidpost, eine gemeinsame Trinkwasserversorgung sowie zwei Gästehäuser.
Vom mittelalterlichen Wittenberg Luthers und seiner Theologie nach Tami/PNG scheint es mir manchmal näher zu sein als nach Oberbayern. Luther wird hier als waschechter Bikman geschätzt. „Tritt gscheit auf, machs Maul auf, hör (PNG-Variante: nicht so) bald auf.“ Eine als Schmuck umgehängte Kette mit Eberzähnen und ein Buschmesser in der Hand hätten ihm sicher gut gestanden.
Tami Ailan Gesthaus
Den Anstrich hat der Lae Yachtclub spendiert. Den Haufen leerer Bierdosen hinterm Haus leider auch.
Zeitunglesen
macht nicht glücklich. Auch auf Spiegel Online stellt sich die Welt als Tollhaus dar. Heute trotzen wir dem Irrsinn und blicken so auf die Welt:
Man soll den Tag
nicht vor dem Abend loben? Ach was, heute fange ich gleich nach dem Aufwachen an, den Tag zu loben. Aus der Küche duftet es bereits nach Pizza! Gertrud meint, wir nehmen nur das Nötigste zum Essen mit:-))
Das wird kein Umzug, sondern ein Ausflug nach Tami Island. Bevor es los geht, noch schnell tanken.
Neben Gertrud: Marius, Weltwärts-Freiwilliger. Kann man bei uns in Finschhafen nach dem Abi machen. Er arbeitet in der Apotheke des Krankenhauses.
Ahoi, Land in Sicht. Das Gästehaus der Inselbewohner steht direkt am Strand.
Givim mipela kaikai
Givim mipela kaikai bilong dispela de – Unser tägliches Brot gib uns heute.
So heißen die „Losungen“ auf Tok Pisin. Zum ersten Mal gibt es in PNG das tägliche Brot in dieser Form gebacken. Passend zur Kultur kam der erste Karton etwas verspätet im Jahr heute in unsere Hände. Zufällig stand die Mitarbeiterin des Chritian Resource Centres in Lae nach dem Gottesdienst in unserer Nähe und konnte uns die heißen Backwaren rechtzeitig vor unserer Rückfahrt nach Finschhafen überreichen. Und wieder lehrt die Erfahrung: Der Zufall ist in PNG eines der erfolgreichsten Planungswerkzeuge.














