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Gewichteheben
Heute schon im Fitnesscenter gewesen? Die meisten Frauen in PNG stemmen täglich ihre Gewichte. Da werden auch schon mal mehr als 30 kg über weite Strecken vom Garten nach Hause oder zum Markt getragen. Was hier zusammenkommt, hat niemand gewogen. Im Bilum sind Taroknollen. Mit Sack und Pack und Kind und Schirm geht´s ein paar km zum nächsten Busstop und dann nach Madang auf den Markt. Im Hintergrund die Kirche St. Martin und ein „Woksop“, der als Klassenzimmer einer Berufsschule dient.
Haus kakaruk
Schreinermeister Unun und die Schüler aus Ukarumpa haben das Hühnerhaus fast fertig gebaut. Sonntag gibt’s die Einweihung. Rechts hinten übrigens ein „pos opis \ post office“ (Klo).
Mitbewohnerin
Diese ungiftige Mibewohnerin hat es auf Geckos abgesehen. Wenn sie eins gefressen hat, ist sie schläfrig, friedlich und überhaupt nicht scheu. Trau mich trotzdem nicht, sie anzufassen. Könnte ja sein, dass sie meinen Finger würgt;-)
Noch ein Bild
Schön hier. Heute Nachmittag am Meer steht die Zeit still. Ich habe Reißaus von meinem Haus genommen. Diese Woche habe ich 10 Jugendliche aus Amerika mit ihrer Lehrersfamilie zu Gast. Das sind Schüler aus dem Internat im Hochlandort Ukarumpa. Ihre Eltern arbeiten als Übersetzer bei SIL (Summer Institute of Linguistics). Sie haben sich als soziales Projekt vorgenommen, für unsere Studenten ein Hühnerhaus zu bauen.
Wieso fällt mir ausgerechnet jetzt ein Satz von Odo Marquard ein: Es käme weniger darauf an, die Welt zu retten, als sie zu verschonen.
Unsere Lehrer und der Schulschreiner haben jedenfalls eine Art Fertighaus bereitgelegt.
Die Ruh ist hin. Zusammengenommen mit der kleinen Flucht am Meer ist das schön anregend.
Bikpela senis i kamap na bai stap
Ein großer Wandel hat das Land erfasst. Äußeres Zeichen sind die allgegenwärtigen Mobiltelefone. Die Hälfte unserer Studenten hat sogar ein Smartphone (Samsung-Clone von Huawei). Kein Wunder, dass fast alle große Probleme haben, das Schul/Wohngeld in Höhe von 160,- pro Jahr aufzubringen. Bei einem Durchschnittsalter von 22 in PNG gibt’s kein Pardon für alte Zeiten. Alle Blicke gehen in die Zukunft. Leben konjugiert sich: I-Phone, You-Tube, Wi-i! Egal, ob man, um Netz zu haben, 5 km laufen muss, Hauptsache dabei und unbedingt auch bei facebooktwittergooglewhatsapp. Alles hat bekanntlich mehrere Seiten. Als vergleichsweise Alter – in einer Horde lauter durchtainierter Youngster fühlt man sich älter als in einem Seniorenkreis – sehe ich eher die Probleme und Gefahren der Entwicklung: soziale Spannungen, Auflösung bewährter Familienstrukturen, extremer Reichtum/extreme Armut, Korruption, Drogenkonsum, Krimnalität etc. Andererseits: Was für eine Freude, die eigene Zukunft gestalten zu dürfen; durch Bildung eine gute Arbeit zu finden, Teil der postmodernen Welt und ihrer Freiheiten zu sein. Davon, dass viele Niugini einen Spagat zwischen Steinzeit und Uptodate schaffen müssen, kann eigentlich keine Rede sein. Viele reißen sich ein Bein aus, um mit einem Fuß in ihrem traditionellen Dorf und mit dem anderen im Internet zu stehen. Bewundernswert.
Eine traditionelle Kulau ist gesund, ein kühles Bierchen im Schatten ist auch nicht zu verachten. Hier saß man auf der Straße beisammen.
Alte und neue Erfrischung:
Die schlechte Bildqualität
lässt sich leider kaum vermeiden. Hier gibt’s kein WiFi und Highspeed-wasweißich. Dafür gibt’s einen schön geschmückten Altarraum und Pizza von Timo. Die Größe der Leute hier scheint indirekt proportional zur Menge, die sie auf einen Schlag essen können: VIIIEEL.
Lernen
Weltwärtsfreiwilliger Timo bringt den Frauen der Studenten das Gitarrespielen bei D G A D G A…
Währenddessen brüten die Männer über einer Klausur. Die ist auch ein Test für mich. Ob mein Unterricht angekommen ist?
Trag es mit Humor
Der tägliche Stromausfall gehört einfach dazu. In den meisten Gegenden gibt’s kein öffentliches Stromnetz. Aber Humor ist hier überall zu Hause.
Kokos
Papua Neuguinea gehört zu den größten Kokosnuss-Produzenten weltweit. In der deutschen Kolonialzeit wurde der Plantagenanbau (nach dem Vorbild der dutschen Kolonie auf Samoa) eingeführt. Auf der Vulkaninsel Karkar vor Madang habe ich zusammen mit einigen Weltwärtsfreiwilligen eine florierende Plantage besichtigen können. Sie gehört Familie Goodyear, die British-Australisch-Neuguineisch-Deutsche Wurzeln hat. „Elly“ hat uns auf die Insel gebracht.
Die Plantage stellt Euch als einen lichten, langweiligen Wald mit akkurat in Reihen gepflanzten Kokospalmen vor. Am Boden ist ein etwa Kniehoher Pflanzenteppich. Kokospalmen mögen es warm und feucht. Erntezeit ist immer. Aber keine Sorge, niemand braucht die etwa 30 m hohen Stämme raufzuklettern. Die reifen Kokosnüsse werden vom Boden aufgesammelt und an Ort und Stelle für die weitere Verarbeitung vorbereitet: Die äußere harte grüne Schale und die darunter liegende etwa 3cm dicke faserige Hülle abschälen, dann die so gewonnene braune Nuss halbieren, wobei das Kokoswasser ausläuft und schließlich noch den Keim aus der Nuss entfernen.
Die Kokosnuss-Hälften gehen danach zum Erhitzen. Dabei trocknet und löst sich das Fruchtfleisch – es heißt jetzt Kopra – von der Schale. Was kann man aus Kopra machen? Z.B. Agrodiesel. Für viele Menschen sind Kokosnüsse Nahrungs- und Hauptfettquelle. Kokosfett wird durch Pressen aus Kopra gewonnen. Es wird als Brat- und Speisefett verwendet. Verarbeitet in Pralinen oder im Schokoladenüberzug erzeugt Kokosfett einen deutlich wahrnehmbaren Kühleffekt beim Schmelzen. (Ich hätte jetzt gern eine Eispraline). Kokosfett ist Bestandteil von Kosmetika. Kokoswasser enthält viele Mineralstoffe und ist hervorragender Trinkwasserersatz. Aus Kokosfasern kann man Matten und Matratzen machen. Aufgrund ihrer Feuchtebeständigkeit können Kokosfasern als Geotextilien für den Erosionsschutz und im Gartenbau eingesetzt werden. Die Blätter der Palme werden zu Körben und Matten verflochten, Kokosnussschalen sind hochwertiger Brennstoff. Die Stämme kann man als Zaunpfähle verwenden.
Trockenhäuser. Im Untergeschosse wird mit den Kokosnussschalen ein Feuer entfacht. Im so beheizten darüberliegenden Raum trockenen die noch nicht vom Kopra befreiten Nusshälften:
Kopra:
Viel Handarbeit: Ernten, verarbeiten, in Säcke packen, Schiff beladen. Ein Sack Kopra aus ca. 400 Nüssen wird für 70 Kina/20 Euro verkauft. Stundenlohn der Arbeiter liegt bei ca. 1 Kina 0,27 Euro.












