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Der Letzte lässt das Licht an

Papua Neuguinea ist ein Land beeindruckender öffentlicher Redner. In den letzten drei Jahren habe ich viel an utopisch-theologischen Idealkonstruktionen, einige glühende Dankesreden, tolle Geschichten, einiges an plumper Schwarz-Weißmalerei und viele Drohungen und Ermahnungen gehört. Manche – leider nicht viele – der Reden und Predigten, die ich hörte, machten die Hörer klüger, glaubensstärker, hoffnungsfroher und belastbarer im Umgang mit der sprichwörtlich gewordenen „chaotischen Gemengelage“ in PNG und auf der Welt.

Zum Abschluss meiner Mitarbeit in der Evangelical Lutheran Church of Papua New Guinea (ELC-PNG) poste ich Euch keine bebilderte Rede im Powerpoint-Format, sondern einen „Text“. In Konkurrenz mit dem Bild ist der Text auf dem Rückzug. Da kann ich mitgehen und schreibe mal los:

In PNG zu arbeiten, bedeutet immer eine Zerreißprobe. Nach einer längeren Mitarbeit weiß man von vielem zu erzählen: Von Gelungenem und Schönem, von Ambivalenzen, Widersprüchen, Ungereimtheiten und Katastrophen. Bei einer Partnerschaftsreise mag es noch gelingen, Land und Leute aus einer Perspektive ,wie man sie sich wünscht, zu begreifen. Bleibt man, muss man PNG begegnen „wie es eben ist“ – ohne Verklärung und ohne Panikmache. Dabei erlebte ich meinen Einsatzort, das Senior Flierl Seminary in Logaweng, und mich darin als eine Art permanentes Laboratorium. Erst mit der Zeit begriff ich, dass ich die innere Widersprüchlichkeit, die Ambivalenz alles Erlebens und Tuns hier nicht los werden würde. Sie sind als Realität anzunehmen. Der für Lutheraner seit 1886, seit den Tagen Johann Flierls, chaotische Übergangsprozess des christlichen Glaubens und seiner Institutionen in PNG ist ein Dauerzustand und nicht eine Ausnahmeregel. Im Übergang von „früher“ zu heute und von Nord nach Südost begriff ich mich zunehmend im Transit, als Grenzgänger und Wanderer zwischen den Welten.

Sobald man Grenzen überschritten hat, beginnen die Probleme; für den Ankommenden und genauso für diejenigen, die sich mit ihm von jetzt an auseinanderzusetzen haben. So wird man als Überseemitarbeiter zum Katalysator für Übergangsprozesse. Die derzeit sich in aller Munde befindenden Begriffen „Integration“ oder „Inklusion“ halfen mir zur Deutung meiner Position in der ELC-PNG nicht. Seitens der Leitung der ELC-PNG wird Wert darauf gelegt, dass ich als „Waitman“ außerhalb der Hierarchie und des Wanktok(clan)-Systems der Kirche meine Arbeit für die Kirche tue. Als Wantok(clanmitglied) – negativ gesprochen: „korruptionsanfällig“ – hätte ich das Schatzmeisteramt nicht gut übernehmen können. Ich lebte in PNG und am SFS im Transit. Mein Wohnort, das Areal der fünf Überseehäuser ist ein Transitraum, durchlässig nach vielen Seiten. Aus der Unabhängigkeit und Freiheit der Transitposition eines auf Zeit eingewanderten Fremden heraus ließen sich die Aufgaben jedoch bewältigen. „Fremdsein als Charisma“ (Philipp Hauenstein).

Mit der Zeit und mit dem sukzessiven Weggang der Überseekollegen wuchsen mir mehr und mehr Tätigkeiten, Verantwortung und Einflussmöglichkeiten zu. Die Beeinflussung weiter Teile des Seminarbetriebs bis hin zur Aufsicht und Entscheidungsbefugnis über Geld, Email-Kommunikation, Computer, Büromaterial, Kopierer, Werkstatt, Fahrzeuge und Schlüssel geschah als Grenzgänger, aus der Übergangsposition heraus. Dabei wirkte ich von außen nach innen – praktisches Beispiel ist die Benutzung meiner Kreditkarte – und innen nach außen z.B. durch Antragstellung ans Projektbüro oder das Schreiben von Emails an Überseepartner. Schnell hat man sich dabei übernommen mit all den Aufgaben, die aus Überseeblickwinkel nicht liegen bleiben dürfen. Dabei empfinde ich gerade dies im Rückblick als notwendig: Aufgaben liegen lassen. Meine Tätigkeit als Treasurer des Seminars ist ein Beispiel für unangepasste Außensteuerung: Haushalt und Buchhaltung eines bayerischen Pfarramtes wurden auf das Seminar übertragen und mit Hilfe von Excel samt aller zur Verfügung stehenden Formeln und Tools realisiert. Ergebnis: Ich bin der einzige weit und breit, der damit umgehen kann. Mein Geheimwissen hat mich zu einem mächtigen Mann am Seminar werden lassen. Die Komplexität der Buchhaltung hat selbstverständlich und unbestritten ihre Vorteile. Transparenz der finanziellen Transaktionen, Budgetierung, Berichte, Auswertungen und Evaluation sind so gewährleistet. Aber: nur so lange jemand diese Arbeit kontinuierlich fortführt. Diese Kontinuität kann inzwischen nicht mehr gewährleistet werden.

Als Beschreibung der Verbindung zwischen den Kulturen wird oft das Bild der Brücke bemüht. Aber weder für die Partner in Deutschland noch für die in PNG Mitarbeitenden taugt diese Metapher. Viele Brücken mögen gebaut worden sein, aber sie führen oft weder hin noch her. Die viele abgebrochene und ins Leere gehende Email-Kommunikation steht dafür. Ebenso die um Monate verschobenen und verhinderten Einreisen von Personal nach PNG oder Deutschland. Das Bild der Brücke frustriert, wenn man nach beiden Seiten keinen Anschluss findet.

Auch die Metapher der Schwelle taugt nicht. Wie sollte man es sich darauf wohnlich machen? Büchners Satz, wonach man das Vaterland auf den Schuhsohlen mitnehme, heißt gerade nicht, dass man in der Fremde heimatlos und unbehaust unterwegs sein möchte. Den Transitraum habe ich mir, dank eines vor 60 Jahren gebauten soliden Missionshauses, so komfortabel eingerichtet, dass es sich lohnt und geboten ist, die Schuhe auszuziehen und aufs Sofa hoch zu legen. Schuhe aus und Füße hoch, das gilt auch bei einer Fahrt von oder zum 90km entfernten Lae. Man ist auf ein offenes sogenanntes Speed Boat mit Außenbordmotor angewiesen. Bei glatter See ist die Fahrt entlang der Küste paradiesisch schön. Bei Wind, Regen, Wellen fürchtet man schnell um sein Leben. Das alte Bild der Kirche und Ökumene als Schiff, allerdings kleiner, gefährdeter und schneller unterwegs als bisher gedacht, scheint mir eine passende Analogie für die kirchliche Kooperation. Die Orte, Deutschland und PNG bleiben wo und was sie sind, aber MissionEinewelt und ELC-PNG eröffnen eine Passage und einen für Gedanken und Passagiere jeglicher Herkunft nutzbaren Transitraum. Früher stand ein komfortables Schiff zur Verfügung. Inzwischen ist man, freiwillig und unfreiwillig, gewollt und gezwungen, auf ein wendiges, schnelles und billiges Speed Boat umgestiegen.

Anders als bei den Missionaries alten Schlags gehören für jetzige Vertragsinhaber Aufbruchs- und Rückkehrplan eng zusammen. Im mentalen Gepäck bei der Einreise steckt bereits die Aussicht auf die Rückfahrkarte. Mitarbeit in PNG als Zwischenlösung, als Zwischenzeit? Ja, denn daran ist nichts Verwerfliches, zumal auch in Deutschland das Provisorium und das Improvisieren beim Über-die-Runden-kommen normaler Alltag vieler Menschen ist. Gleichsam auf gepackten Koffern sollte man natürlich nicht leben. Man kann sich sogar den Luxus erlauben, das Land ohne Koffer, nur mit Handgepäck, zu betreten und zu verlassen. Das ist kein Problem, da die mitgebrachte Literatur und Musik digital sind, per Kreditkarte in jedem größeren Laden bezahlt werden kann und sowieso von allem zu viel da ist, was Generationen von Vorgängern in sechs Jahrzehnten in den Häusern an Cargo versammelt haben.

Wer nicht so viel mit dem eigenen Kram befasst ist, hat den Rücken frei, sich der Fremde zuzuwenden und sich im Transit neu einzurichten. Die Umstellung und Einstellung auf das hiesige Tempo –  s l o w  motion  –  auf die magische Weltsicht und die immer noch allgegenwärtige Sorge vor Zauberei und Geistern kostet seelische Kräfte. Hitze, feuchte Luft, Drittweltfeeling, umfassendes institutionelles Versagen in Sachen Verwaltung und Infrastruktur oder das landestypische große Verantwortungsgefühl für die eigenen Leute und das damit einhergehende mangelnde Verantwortungsbewusstsein fürs Ganze jenseits des eigenen Clans: Das muss man mit Humor und Fassung tragen. Notwendig ist das eigene „Transithaus“, die eigene Komfortzone, wo Wasserpumpe und Kühlschrank funktionieren und Strom trotz stunden- oder tageweisen power cut dank eigenem Generator da ist. Das Mobilfunknetz ist in PNG erstaunlich gut. Mit dem Netz ist Deutschland und die Welt 24/7 präsent. Steinzeit, facebook, Cargo Cult, Amazon, Zauberei, wikipedia – das geht alles in- und miteinander, drunter und drüber und ist Teil der Krise des Landes.

Auch die ELC-PNG verharrt – trotz Wechsel an der Spitze seit der Synode im Januar 2016 – in einer stabilen Krise. Die vielen öffentlich, auch im Internet, ausgetragenen  Auseinandersetzungen um Ämter, Geld und Kompetenzen sind mehr als ärgerlich. Für die kirchliche Verwaltung gibt es nach internationalen Maßstäben ein passendes Wort: Failed. Gleiches gilt für die meisten staatlichen Institutionen, die über die Größe einer Gemeinde oder kleinen Schule hinaus gehen. Verantwortungsbereiche jenseits der Grenze des Familienclans sind durch Vernachlässigung, Misswirtschaft oder Korruption gefährdet. Ein Bewusstsein und Einsatz für das große Ganze, sei es das ganze Land, die eine Kirche oder eine große Idee, wie die der allen Menschen geltenden Menschenwürde, vermisse ich. Wissen wird ungern geteilt, sondern bevorzugt zur Erlangung und Absicherung von Macht und Kontrolle eingesetzt. Das erlebe ich im Kleinen auch unter den Kollegen, die ihre Handouts oder Unterrichtsvorbereitungen sorgsam voreinander verbergen.

Nur innerhalb des Schoßes einer Großfamilie ist in PNG wirklich gut Sein. Das gilt auch für das Senior Flierl Seminary (SFS), das Studenten und Lehrer als ihre Familie begreifen und erleben. Nestwärme einer Familie auf Zeit erlebte ich besonders in der Waspapa-Grup, einer Art Hauskreis für Studenten und ihre Familien, der jeweils einem Lehrer als Waspapa („was“ von Englisch „watch“) zugeordnet ist. Und tatsächlich entwickelt sich in der Waspapa-Grup ein enges Vertrauensverhältnis. Man feiert Andachten, trifft sich zu Bibelarbeiten, teilt Sorge und Freude, man hilft sich gegenseitig, sei es im Garten, im Unterricht oder bei Alltagsproblemen. Alle sind schließlich im Transit, on the move und bedürfen der Ermutigung.

Eine besonders einschneidende Veränderung bedeutet der von der ELC-PNG beschlossene Übergang der Unterrichtssprache von Englisch nach Tok Pisin/Pidgin in den kommenden Jahren. Ob es sinnvoll ist, Pidgin als Unterrichtssprache der in ihren Gemeinden Pidgin sprechenden angehenden Pfarrer zu beseitigen, bezweifle ich. Theologie sollte in der Sprache durchdacht werden, in der auch gelebt und gepredigt wird. Die ELC-PNG hat ihre Stärken traditionell im dörflichen Papua Neuguinea. Von dort kommen die meisten SFS-Studenten und dorthin gehen die meisten als Pfarrer. Aber selbst auf der Straße und in den Häusern Gorokas, Laes, Madangs oder Port Moresbys wird Pidgin gesprochen. Inzwischen gibt es viele Kinder, für die Pidgin Erst- und Muttersprache ist. Englisch ist Amts-, Schul-, und Politikersprache. Nur eine sehr kleine Elite, die sich Urlaub, Businessreisen oder Internate in Australien leisten kann, spricht souverän Englisch. Selbst beim sogenannten „English Service“ in St. Andrew, immerhin die Kirche auf dem Gelände der Kirchenleitung in Lae, wird in den meisten Predigten mehr Pidgin als Englisch oder eine Art Pinglish gesprochen. In PNG wird es auch weiterhin Sprachenvielfalt geben. Die lokalen Stammessprachen, Tok Pisin und Englisch werden auch weiterhin in der ELC-PNG lebendig sein. Dies sollte sich auch in der Ausbildung widerspiegeln. Mit der Ausgrenzung und Unterdrückung einer Sprache verliert die Kirche einen Teil ihrer Welt, ihrer Erfahrung, ihres Glaubens, ihres Bezugs zur Realität und zu ihren Mitgliedern. In Zukunft dürften in PNG mit dem Zuzug asiatischer Geschäftsleute und Arbeiter aus China, Malaysia oder den Philippinen auch deren Sprachen an Einfluss gewinnen und in weiterer Zukunft vielleicht sogar Englisch zurückdrängen. Das SFS kann mehr als Englisch und sollte seinem Kirchenvolk aufs Maul schauen.

Außerdem ist zu vermuten, dass der von oben verordnete Übergang genauso unvorbereitet und wenig koordiniert erfolgt wie folgendes Beispiel einer Ämterübergabe: Wenn ich Logaweng verlasse, dann wird es niemanden geben, dem ich meine Ämter übergeben kann. Ach hätte ich die Buchhaltung doch schon vor einem Jahr von ca. 3000 Buchungen p.a. auf 300 Buchungen und auf Papier umgestellt! Zu meiner Verteidigung lässt sich sagen: Ich hatte es oft und oft vorgeschlagen, aber niemand ging darauf ein. Man hoffte auf neues Personal aus Bayern und ging stillschweigend davon aus, dass es mit der Kontinuität wie in den letzten 60 Jahren schon klappen werde. Dies erweist sich inzwischen als Illusion und große Störung der Übergangsprozesse am SFS. In Anlehnung an eine Formulierung von Odo Marquardt lautet meine Einsicht: Als Überseemitarbeiter hätte ich weniger versuchen sollen, das SFS zu verändern als vielmehr: es zu verschonen. Zum Glück erweist sich die neuguineische Kirche und Gesellschaft erstaunlich resilient gegenüber den Problemen, die das hiesige Versagen und die Unangepasstheit der westlichen Techniken verursachen.

Mit stoischer Ruhe bleibt man dabei, die Gegenwart zu meistern. Und darum geht es in PNG: Gegenwart, Hier und Heute. Man könnte meinen, ein theologisches Seminar sei stark vergangenheitsorientiert im Blick auf die zu lehrenden Inhalte und stark zukunftsorientiert im Blick auf die Ausbildung künftiger Pfarrer. Tatsächlich breit macht sich jedoch die Gegenwart. Der „garstige Graben“, der biblische Texte von uns Heutigen trennt, muss im Unterricht erst mühsam gegraben werden. Traditionen, Ideen, Motive und Geschichten aus vergangenen und versunkenen Zeiten werden einfach ins Bild der Gegenwart gerückt. Biblische Aussagen zu Anthropologie, Christologie, Ekklesiologie, Ethik oder Eschatologie scheinen für unsere Studenten unmittelbar einleuchtend und anschaulich zu sein. Eine Interpretation erscheint nicht notwendig und gestaltet sich oft als reine Wiederholung und Affirmation der biblischen Texte. Abraham und Sara, Mose, Ezechiel, Jona, Maria, Jesus, Paulus, Augustin, Luther… das sind alles Zeitgenossen und Familienmitglieder. Man kennt sich. Aus allen zusammen setzt sich das große Bild der Gegenwart und des eigenen Glaubens zusammen.

Täglich reibe ich mich an diesem unhistorischen, magischen Zeitempfinden. Zugespitzt gesagt: Was die Kultur in Papua Neuguinea für mich wirklich von der meinen unterscheidet, ist das Zeitverhältnis. In PNG liegt Vergangenheit „bipo“/vor(!) und Zukunft „bihain“/hinter(!) einem. Zukunft kommt hinterrücks auf einen zu und liegt nicht im Blick. Dann ist sie plötzlich da und drei Tage bevor ich als Dozent und Treasurer das SFS verlasse, werde ich gefragt, ob ich nun die von mir seit Monaten angeboten Einarbeitung der Nachfolger, die aber bis morgen noch bestimmt werden müssen, an meinem letzten Tag leisten könnte.

Mein Blick ist voraus auf Zukunft gerichtet und meiner Einschätzung nach ist das Senior Flierl Seminary in seinem zukünftigen Bestand gefährdet. In das kommende Jahr hüpft es gewissermaßen auf einem Bein. Der Beitrag der Überseepartner bricht weiter ein und muss „irgendwie“ „mit Bordmitteln“ kompensiert werden. Gleichzeitig mit mir werden zwei erfahrene einheimische Lehrkräfte für eine Weiterbildung das SFS verlassen. Häufiger Personalmangel und -wechsel sind in der Geschichte des SFS nicht unüblich. Der Traditionsabbruch bei der Wissensübergabe, der Einsatz von mit der Kultur PNGs unerfahrenen Personals und die Kürze der Vertragslaufzeiten machen es für mich aber plausibel zu behaupten: 2017 beginnt für das SFS ein neues Kapitel in der Kooperation mit den Überseepartnern. Zu wünschen ist, dass in diesem Übergangsprozess die Inkulturation des Christentums lutherischer Prägung ungebremster erfolgt als zu Zeiten starker Kontrolle und großer Einflussnahme der „waitman“ und „waitmeri“ (meri = Frau).

Die alte, bekannte Welt (der Texte) verstummt, in Deutschland wie auch in PNG. Und mit den bisherigen Deutungen findet man nicht mehr nach Hause. Johann Flierl brachte in einer kleinen Schrift aus dem Jahr 1910 zum Ausdruck, was ihn selbst und er in PNG bewegte: „Dankt […] Gott mit uns, daß Er draußen in unserer deutschen Kolonie Kaiser-Wilhelmsland auf den kleinen Tami-Inseln und dem großen Hauptland Neuguinea selber so vielen ehedem verfinsterten und grausamen Heiden hat das helle Licht des Evangeliums in ihre Herzen scheinen lassen.“ Johann Flierls missionarische Rede vom hellen Licht des Evangeliums, das in die Herzen verfinsterter und grausamer Menschen und Zeiten scheint, bleibt weiter unsere Mission. Mission heißt dann, auf dieses Licht zeigen und in dieses Licht stellen.

In PNG durfte ich mein Leben öfters in neuem Licht sehen. Ich sah und erlebte es als viel weniger von mir kontrollierbar oder erhaltbar und weitaus fragiler und gefährdeter als bisher gedacht. Der Lichtkreis der Erkenntnis ist eng und der Lichtkegel, den Gott in Christus in die Welt wirft, ist schmal wie bei einer einen Spalt weit geöffneten Tür. Die vielen leuchtenden Bildschirme der Smartphones und Tablets auch hier am SFS erzählen von der Sehnsucht nach Licht. In Logaweng kann man nächtliche Dunkelheit bei Stromausfall und bewölktem Himmel beängstigend erleben: Stockfinstres Dunkel, das einen etwas von der „Finsternis in den Herzen“ ahnen lässt.

Die Zeiten der Morgen- und Abenddämmerung sind in Äquatornähe kurz. Eben war noch alles in stockfinstre Nacht gehüllt und schon beginnt es hell zu werden und ich kann ohne Lampe mein Frühstück in der Küche bereiten. Abends dagegen werde ich oft von der plötzlichen Dunkelheit überrascht und bin froh um eine kleine Taschenlampe. Ähnlich geht es mir auch mit der Einschätzung meiner Arbeit in PNG. Eben noch klar von ihrer Vernünftigkeit und Plausibilität überzeugt, komme ich kurze Zeit später zum gegenteiligen Ergebnis und kann weder Sinn noch Verstand in einem „Weiter so“ und einer einfachen Fortführung der überkommenen Art des Übersee-Engagements in PNG sehen. Dies ist nicht anders zu erwarten in einer Situation der Übergänge. Die gewachsenen Beziehungen der internationalen Kooperation und die darin gestalteten Transiträume und Übergangsprozesse sind aber in jedem Fall zu wertvoll, um damit unvorsichtig, vorschnell oder einseitig umzugehen.

Als vorläufig letzter Bewohner der fünf Überseehäuser am Eingang zum SFS mache ich nicht das Licht aus. Bis hier in den nächsten Monaten die erwarteten Neuen einziehen, soll Licht in den Häusern brennen. Durch ein paar Kina, die man mit dem Mobiltelefon auf die Prepaid-Stromzähler überweisen kann, ist dafür gesorgt. In Neuguinea weiß man den übertragenen Sinn und den Anspruch dieses Lichtes zu deuten. Es ist der Platzhalter für Menschen, die dort, wenn auch nur übergangsweise, wohnen. Es wartet auf die, die hier zuhause sind und ein gutes Zuhause, gutpela sindaun für ein paar Monate oder Jahre suchen. Nur so, analog, im mündlichen Gespräch, in der realen Begegnung im Alltag, ist für mich internationale Kooperation mit den Lehrenden und Lernenden am Senior Flierl Seminary sinnvoll. In den Übergängen, im Transitraum internationaler Kooperation – und was anderes ist der Stall von Bethlehem oder Israel zur Zeit Jesu?- begegnet uns Gott. Das ewig Licht geht da herein, gibt der Welt ein‘ neuen Schein; es leucht‘ wohl mitten in der Nacht und uns des Lichtes Kinder macht. Kyrieleis.

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